Dialog für Stadtböden, die Wasser speichern
Über 170 Fachleute trafen sich am Forum Schwammstadt des Verbands Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) in Biel. Unsere Expertin Michelle Dür moderierte dort gemeinsam mit Fachpersonen von der eawag, der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HEIA-FR) und Plan Biodivers («Asphaltknackerinnen») eine Working Session zu Entsiegelung und Substraten.

Böden als Rückgrat der Schwammstadt
Das Schwammstadt-Prinzip setzt auf durchlässige Böden: Regenwasser wird aufgefangen, gespeichert und langsam wieder abgegeben. Damit Böden in der Stadt diese Funktionen erfüllen können, braucht es Massnahmen, um Versiegelung zu vermeiden, die Entsiegelung geeigneter Flächen zu fördern und Bodenfunktionen wiederaufzubauen. Genau hier setzt unser Projekt «Lebendige Stadtböden» an.
Was wir vom Forum mitnehmen
Im Zentrum der Tagung stand der Erfahrungsaustausch: Wie setzen Gemeinden und Planende das Schwammstadt-Prinzip konkret um? Welche Lösungen funktionieren in der Praxis? Über zwei Tage tauschten sich Fachleute aus der Deutsch- und Westschweiz dazu aus – von Prozesskompetenzen bis zur klimaresilienten Innenverdichtung. Der VSA zieht daraus einen klaren Schluss: Schwammstadt ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wirksame Lösungen entstehen dort, wo Regenwassermanagement, Siedlungsplanung, Freiraum, Energie und Klimaanpassung gemeinsam gedacht werden.
Auch wir nehmen mit: Komplexe Herausforderungen lassen sich meistern, wenn Fachpersonen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten, auf andere Perspektiven eingehen und tragfähige Kompromisse entwickeln. Entscheidend ist dabei, alle Betroffenen frühzeitig einzubeziehen und Schritt für Schritt voranzugehen. Quick Wins – etwa die Kombination von Fernwärmeprojekten mit Entsiegelungsmassnahmen – schaffen sichtbare Erfolge und Momentum für grössere Vorhaben. Genauso wichtig ist es neben «Best Practice» auch über «Worst Practice» zu sprechen – nur so können wir aus Rückschlägen lernen.
Damit diese Dynamik trägt, braucht es klare Vorgaben für Neubauten, gezielte Förderung im Bestand sowie das Bewusstsein, dass der Verzicht auf Schwammstadt-Massnahmen langfristig teurer wird als ein proaktives Handeln.
Austausch, der weiterträgt
Der Austausch mit Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen, Planungsstufen und Sektoren schuf neue Synergien. Als Moderatorin schafft Durabilitas den Raum, in dem diese Perspektiven aufeinandertreffen – und aus dem gemeinsame Lösungsansätze entstehen. Als nächstes werden wir das gesammelte Wissen und Bedürfnisse auswerten und in konkrete Produkte – wie Factsheets und die Substrat-Datenbank – übersetzen.
Projekt «Lebendige Stadtböden»
Das Projekt unterstützt insbesondere Kleinstädte und Agglomerationsgemeinden dabei, gesunde Böden im Siedlungsgebiet vor Versiegelung zu schützen, geeignete Flächen zu entsiegeln und anschliessend Bodenfunktionen wiederherzustellen. In Zusammenarbeit mit dem VSA entwickeln wir dazu verschiedene Unterstützungsangebote wie z.B. eine Substrat-Datenbank.