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Chamblioux-Bertigny (FR): Ein neues Praxisblatt für die Planung unter Berücksichtigung der Bodenbeschaffenheit
Die Bodenqualität direkt in das Pflichtenheft eines Kantonsspitals integrieren: Das ist das Ziel des Pilotprojekts Chamblioux-Bertigny in Freiburg. Wir haben dieses Projekt begleitet und veröffentlichen nun das zweite Praxisblatt unserer Reihe „Planen mit Böden – Praxisbeispiele“.

Wir stellen dieses neue Praxisblatt besonders vor, weil es einen seltenen Anwendungsfall dokumentiert: die Einbindung von Bodenqualitätskarten direkt in das Pflichtenheft der Studienaufträge (MEP) für den zukünftigen Gesundheits- und Arbeitspol, der für die Aufnahme des neuen Kantonsspitals, weiterer Infrastrukturen für das Gesundheitswesen und die Bildung sowie zweckgebundenen Wohnen vorgesehen ist. Ein Instrument, das sowohl verbindlich als auch informativ ist und die Projektteams bereits in der Entwurfsphase zu Lösungen anleitet, welche die Bodenfunktionen einbeziehen und ihr Potenzial zugunsten des Projekts nutzbar machen.
Dieses Ergebnis ist der Höhepunkt einer mehrjährigen Arbeit. Auf der Grundlage eines runden Tisches, an dem die kantonalen Dienststellen und ihre Partner teilnahmen, wurde ein Leitfaden zur nachhaltigen Bodenbewirtschaftung erarbeitet, der als Orientierung für die Raumplanungspraxis und Planungsentscheidungen dient. Parallel dazu hat das Kompetenzzentrum Boden (KOBO) detaillierte thematische Karten erstellt – organische Substanz, Wasserhaushalt, Durchlässigkeit, Klimaregulierung, nutzbare Feldkapazität, pflanzennutzbare Gründigkeit – zusammen mit einem Leitfaden zur Inwertsetzung der Bodendaten. Diese Instrumente, die vom Kanton Freiburg (Amt für Umwelt, AfU) gemeinsam mit dem KOBO und der HEIA-FR entwickelt und von urbaplan sa sowie Archival koordiniert wurden, sind ab sofort frei zugänglich unter www.qualite-sols.ch.
Durabilitas hat den Wissenstransfer dieses Pilotprojekts initiiert und begleitet, mit Unterstützung des BAFU. Chamblioux-Bertigny zeigt, dass ein Instrument, das sowohl verbindlich (Anforderungen im Pflichtenheft) als auch informativ (Leitfäden und Karten) ist, in einem gross angelegten Stadtentwicklungsprojekt konkret den Ausschlag zugunsten der Böden geben kann – mit grossem Potenzial für die Übertragung auf andere Gemeinden und Kantone. Dieser Fall bereichert unsere Sammlung „Planen mit Böden – Praxisbeispiele„, die andere Kommunen inspirieren soll, die sich für die Bodengesundheit einsetzen.
Hintergrund
Die Schweiz verliert täglich allein durch Versiegelung wertvolle Böden. Die Bodenstrategie Schweiz (2020) setzt das Ziel, bis 2050 netto keinen Boden mehr zu verbrauchen. Die Raumplanung ist ein Schlüsselement – ihr fehlen aber nach wie vor praxistaugliche Instrumente, um Bodenqualität systematisch in Planungsentscheide einzubeziehen. Das Pilotprojekt zeigt: Der Bodenqualitätsindex eignet sich.