Böden & Raum: Qualität als Grundlage der Planung
Die Schweiz hat sich mit der Bodenstrategie ehrgeizige Ziele gesteckt und will bis 2050 keinen Boden mehr verbrauchen. Dabei steht die Bodenqualität im Zentrum, denn es ist vor allem der Verlust von Bodenfunktionen, der vermieden werden soll. Gleichzeitig fehlt es in der Raumplanung an Wissen und erprobten Instrumenten, um Böden berücksichtigen zu können. Aufbauend auf den Erkenntnissen unseres Vorgängerprojektes schaffen wir mit diesem Projekt Grundlagen, damit Böden und ihre Qualität in der Raumplanung eine Stimme erhalten.

Die Herausforderung
In der Bundesverfassung ist eine haushälterische Nutzung unserer Böden sowie ihr Schutz vor schädlichen Einwirkungen vorgeschrieben. Dennoch nehmen Zersiedelung, Bodenversiegelung und Bodendegradation in der Schweiz kontinuierlich zu und hochwertige Böden gehen verloren. Des Weiteren führen Erosion, Verdichtung und Schadstoffeintrag vielerorts zu einer Verschlechterung der Bodenqualität. Der aktuelle Trend führt langfristig dazu, dass die Böden ihre lebenswichtigen Funktionen für die Schweizer Bevölkerung immer weniger erbringen können: Produktion von Nahrungsmittel, Schutz vor Naturgefahren, Grundlage für Biodiversität, Anpassung an den Klimawandel etc.
Fakten, die nachdenklich machen
2020
hat der Bundesrat eine Bodenstrategie für die Schweiz verabschiedet
~ 108
km² Boden hat die Schweiz trotzdem bis zum Start des Projekts verloren* – das entspricht etwa zwei Mal der Fläche von Bern
*Quelle: BAFU 2023
In der Bodenstrategie wurde die Raumplanung als wichtige Boden-Akteur:in identifiziert. Ihr fehlt es aber nach wie vor an Wissen und erprobten Instrumenten, um Böden berücksichtigen zu können. Einige rechtliche Vorgaben sind zwar vorhanden, werden aber ungenügend vollzogen, so dass Ziele und strategische Stossrichtungen der Bodenstrategie nicht operationalisiert werden können.
Unsere Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt haben gezeigt, dass eine raumplanerische Interessenabwägungen zugunsten eines besseren Erhalts ökologischer Bodenfunktionen möglich ist. Gleichzeitig hat sich die Frage ergeben, wie solche Ansätze zum Erhalt der Bodenqualität stufengerecht im föderalistischen Planungssystem der Schweiz integriert werden können. Diesbezüglich besteht noch grosser Diskussions- und Klärungsbedarf.
Aus regulatorischer Sicht braucht es beispielsweise ein gemeinsames Verständnis über die Verbindlichkeit der Anwendung von Instrumenten wie des Bodenqualitätsindex (BodenQI). Aus technischer Sicht ist aktuell noch unklar, wie stark die Bodenfunktionen auf welcher politisch-administrativen Ebene aggregiert werden sollen bzw. welcher Detaillierungsgrad anzustreben ist. Grundlage dafür bietet die geplante, nationale einheitliche Erhebung der Bodendaten sowie Bestimmung der Bodenfunktionen. Zudem fehlt es an gemeinsamen Kriterien und Standards bezüglich der Gewichtung der Bodenfunktionen sowie an einem Kompensationsmechanismus zur Erreichung des Ziels eines Netto-Null-Bodenverbrauche.
Die Lösung
Mit unserem Projekt helfen wir dabei, diese Herausforderungen zu bewältigen. Wir identifizieren Umsetzungselemente für die Erreichung des Netto-Null Ziels. Zudem zeigen wir Wege auf, wie Raumplanungsinstrumente zur Bodenberücksichtigung (z. B. der BodenQI) langfristig verankert werden können, damit quantitativer und qualitativer Bodenverbrauch verhindert oder, falls unvermeidbar, der Verlust an Bodenfunktionen reduziert und kompensiert werden kann.
Im Bericht zur Erfüllung des Postulates 20.3477 Burkart vom 2. Juni 2020 sind die in den nächsten Jahren geplanten Massnahmen des Bundesrats zur Erreichung der Ziele der Bodenstrategie skizziert. Mit unserem Projekt nehmen wir diesen Faden auf und tragen unmittelbar zur Umsetzung bei: Sammlung, Dokumentation und Analyse bestehender Instrumente zur Berücksichtigung von Böden in der Raumplanung, Diskussion identifizierter Umsetzungsvorschläge mit relevanten Stakeholdern, zielgruppengerechte Kommunikation durch Sensibilisierung relevanter Stakeholder aus der Bau- und Planungsbranche für Böden und Raumplanungs-Instrumente sowie Verankerung in der Ausbildung.
Ziele der Bodenstrategie Schweiz
- weniger Boden verbrauchen bzw. verlorene Bodenfunktionen kompensieren
- Bodenverbrauch basierend auf einer Gesamtsicht lenken
- Boden vor schädlichen Belastungen schützen
- degradierte Böden wiederherstellen
- Wahrnehmung von Wert und Empfindlichkeit des Bodens verbessern
- Internationales Engagement stärken
| Aktivität Wissenstransfer, Dialog, Analyse, Pilotprojekte | Zeitraum 2026 – 2029 |
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